Die Modewelt hat einen ihrer letzten echten Couturiers verloren. Valentino Garavani ist im Alter von 93 Jahren in seiner Residenz in Rom gestorben und hat damit das Kapitel einer Karriere geschlossen, die Eleganz nicht als Trend, sondern als Disziplin, Emotion und absolute Überzeugung definiert hat.

Valentino wurde in Voghera geboren und in Paris ausgebildet. Er kehrte nach Rom zurück, um ein Modehaus aufzubauen, das auf Glamour, Präzision und Respekt vor der Handwerkskunst basierte. Seit er 1960 sein Atelier gegründet hatte, war die Vision klar: Kleidung sollte die Erscheinung einer Frau unterstreichen, nicht übertrumpfen. Valentinos Silhouetten waren kontrolliert, seine Stoffe luxuriös, seine Farbpalette zielgerichtet. Und dann gab es noch „Valentino Red“ – keine Farbe, sondern ein Markenzeichen, eine Erklärung, eine Stimmung, die untrennbar mit der modernen Modegeschichte verbunden ist.

Valentino kleidete Frauen, die die Kultur prägten: Jackie Kennedy, Elizabeth Taylor, Audrey Hepburn, später Julia Roberts und unzählige andere. Doch sein wahres Genie lag jenseits der Prominenz. Er verstand, wie Kleidung Autorität ohne Aggression, Romantik ohne Zerbrechlichkeit und Luxus ohne Überfluss vermitteln kann. In einer Branche, die zunehmend von Lärm besessen ist, baute Valentino sein Vermächtnis auf Zurückhaltung auf.

Zusammen mit seinem lebenslangen Privat- und Geschäftspartner Giancarlo Giammetti schuf er ein globales Modehaus und bewahrte dabei die Seele der Couture. Selbst nach seinem Rückzug aus dem Geschäftsleben im Jahr 2008 blieb seine Präsenz bestehen – in Ateliers, in Archiven und in der kollektiven Erinnerung eines Modesystems.

Valentino jagte nicht nach Relevanz. Er setzte einen Standard – und wartete darauf, dass die Welt aufholte. Sein Tod bedeutet nicht nur den Verlust des letzten Mitglieds der ursprünglichen Fashion-Royals, sondern auch das Ende einer Ära, in der die Couture noch an Schönheit ohne Ironie glaubte.
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