Die Backstreet Boys benässten noch Windeln, als Duran Duran der Welt die erste Boygroup bescherte – Musikgeschichte. Jetzt vereint die Band fürs „Girl Panic“-Video die Topmodel-Champions League. Die alte. Auch schön!
Irgendwann ist Simon LeBon einfach fett geworden. Das Höchstalter für Teenieträume hat der Duran Duran-Frontmann passiert, Diäten-Martyrium abgehakt. Einige Jahre zuvor wäre solch eine Nachlässigkeit Grund genug gewesen, dass die Fans ihre Plattenkaufliebe zurückgezogen hätten. Bevor sich die Truppe nämlich als reine Musikband emanzipiert, führt sie ein vertracktes Doppelleben: Das beginnt Anfang der 80er. Der Punk ist an seiner Kotze erstickt. Da tauchen fünf zuckersüss geschminkte Birminghamer aus dem Nichts auf. Die Presse haut ihnen das Prädikat „New Romantics“ vor die Stiefeletten, weil es eine neue Bewegung braucht, die Jungs wiederum entern Bühnen, bald die Charts und auf peinlichen Postern unzählige Kinderzimmer. Massenhysterie, Lady Di erklärt die Popper zu ihrer Lieblingsband, Andy Warhol holt sich auf die Videos der musizierenden Toy-Boys einen runter. Parallel läuft die Hitfabrik auf Hochtouren: „Rio“, „The Reflex“, „Wild Boys“, Bond-Geschichte mit „A View To A Kill“ (1985) – alles Aufwärmarbeit. Simon LeBon heiratet Topmodel Yasmin, legt die Puderquaste ab, scheisst auf das Pin-up-Dasein. Zwei Bandmitglieder verschwinden, die Fans sind entsetzt, doch die richtig guten Jahre folgen erst. Seltene Lebenszeichen (Denkmal: „Notorious“, der letzte Welthit „Ordinary World“, 1993), dafür coole Musik frank und frei. Aus den Boys werden Männer, die sich auch schon mal um Kopf und Verstand koksen. Doch sie schauen auf ihre Tantiemen, die ihnen erlauben, weiterzumachen, manchmal unbemerkt. Feine Werke, Experimente, kaum eine Genre-Grenze – Synthies, die ihren Vorbildern von Kraftwerk um nichts nachstehen, und immer wieder Simon LeBon, der die Band zusammenschweisst, der ihr mit seiner unverwechselbaren Stimme Charakter verleiht. Und irgendwie können die Musiker, denen nicht mal Mark Ronson widerstehen kann (Produzent des Albums „Red Carpet Massacre“, 2009), von ihrer alten „Ehe“ mit den schönen Bildern, Kunst-Videos und Models zur Garnierung denn doch nicht ablassen – erst in diesem Jahr als Comebackzeichen der Soundtrack zum Kate Moss „Dior Addict“-Werbefilm. Nun der Knaller: Für das Video der nächsten Single „Girl Panic“ (kommt ca. September) haben Duran Duran noch einmal die Topmodels der frühen 90er-Jahre vereint: Cindy Crawford, Naomi Campbell, Helena Christensen, Eva Herzigova – ein Hauch von George Michaels „Freedom 90“. Am Set tummelten sich auch Domenico Dolce und Stefano Gabbana, um gleich für ein Harper’s Bazaar-Editorial nachzudoppeln. Ja, manche „Boybands“ leben länger – das freut eine riesige Fangemeinde. Die es schätzt, dass man Jahr für Jahr wieder auftaucht, grauer, etwas fetter halt, aber ein bisschen so, als wäre die Zeit stehengeblieben.










