Peter Tosh – Per Einrad in den Himmel

Peter Tosh

Kiffer sind Couchkleber? Dann hätte Peter Tosh kaum den Titel „Stepping Razor“ abgekriegt. Der Roots-Reggae-Mann glaubte, Gras und Musik heilten die Welt. Dumm nur, wenn man für eine Droge lebt, aber nicht daran stirbt.

Da liegt er, eine Grammy-Nominierung im Rücken und eine Kugel im Kopf. Kingston, Jamaica, 11. September 1987. Winston Hubert McIntosh ist tot. Der Sohn eines Pfarrers, der eine Jugend ohne Gott verlebt. Vater James McIntosh predigt Wasser in Savanna-La-Mar, trinkt Wein, vögelt sich quer durch die Karibik und weigert sich, seinen Sohn anzuerkennen. Eine Tante aus Kingston erbarmt sich des Bastards. Sie stirbt, als er 15 ist. Sechs Jahre und ein paar hundert Joints später, wir schreiben das Jahr 1963, trifft das Energiebündel in einem Kellerloch auf Robert Nesta Marley. Von da an heisst Winston Hubert McInstosh nur noch Peter Tosh, weiss der Henker, warum. Er singt mit Bobby und The Wailers Lieder, deren Botschaft in eine klebrige, THC-haltige Tüte passt.

Auf- und Abstieg
Mit zunehmendem Haschkonsum verblasst der Einfluss des nervösen Ska. Zurück bleibt, was bis heute in jeder Backpacker-Absteige von Peru bis Kambodscha aus den Boxen dudelt. „Concrete Jungle“, „Stir It Up“, „Satisfy My Soul“. Brandbeschleuniger des Reggae-Booms ist Island Records, wo die Wailers 1972 unterzeichnen. Bob Marley wird als Offbeat-Che-Guevara vermarktet, und bei Tosh ist Schluss mit Positive Vibrations. Ein Statist? Niemals! Er steigt aus – und rast kurz darauf frontal in einen Geisterfahrer. Freundin Evonne stirbt, Tosh bricht das Herz und der Schädel, doch er findet, vielleicht in seinen Pflänzchen, die Kraft zum Comeback.

Back in the Game
Mit Word, Sound & Power gelingt ihm 1976 die Kultplatte „Legalize It“. Sie handelt – wer hätte das gedacht – von Hanf und Religion, was mehr oder weniger synonym verwendet wird. Daneben kriegen korrupte Politiker und das „Shitstem“ überhaupt ihr Fett weg. Seine grosse Klappe bringt Tosh Prügel und eine Haftstrafe ein, die Regierung findet an Kritik wenig Gefallen. Mick Jagger dafür umso mehr. Peter Tosh kommt auf dem Label der Rolling Stones unter und spielt mit dem Frontmann ein Duett ein. Goldene Perspektiven, bis… Im Herbst 1987 kehrt Peter Tosh als Superstar nach Jamaica zurück. In seinem Haus wartet Dennis Lobban, alter Kumpel, Knastbruder. Er will Geld, kriegt es nicht. Verwandelt die Villa, in der eine rauschende Welcome-Party läuft, in eine Schiessbude, ballert den Hausherrn und den DJ ins Nirwana. Oder nach Zion, oder wie der Ort heissen mag, an dem Tosh jetzt mit seinem geliebten Einrad auf Haschwolken rumkurvt. Allerdings bestreitet Lobban die Tat bis heute. War’s doch die Regierung? Die CIA? Am Ende gar niemand? Das Debütalbum von Toshs Sohn Andrew heisst: „He Never Died“.

Sideline: Gras und Götter – die Rastafari
„Herb and music can heal the nation“, predigte Peter Tosh, dessen Dreadlocks an den Löwen von Juda erinnern sollten, und dessen äthiopischer Name Wolde Semayat lautet, Sohn des Donners. Tosh bekannte sich in Songs und Interviews zur Rastafari-Bewegung, die 1930 ihren Anfang nahm – mit der Krönung Haile Selassies zum König von Äthiopien. Rastas sehen darin das Eintreffen einer Prophezeiung und verehren Selassie (er starb 1975) als dritte Wiedergeburt Gottes. Höheres Ziel der Religion ist, im spirituellen Sinne, die Rückkehr zur Wiege der Menschheit nach Äthiopien. Orthodoxe Rastafari lehnen Tabak und Alkohol ab, Frauen haben Kopfbedeckungspflicht und Homosexualität ist verpönt wie Kondome im Vatikan.

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