Tom Hulce - Ich war Amadeus
16.03.2010, von: Alex Flach
Tom Hulces Darbietung als Wolfgang Amadeus Mozart in Milos Formans „Amadeus“ gilt als Glanzlicht der Filmgeschichte. Viel hat Hulce seither nicht mehr dargeboten. Unglücklich ist er dennoch nicht.
Salieri war kein schlechter Komponist, beileibe nicht. Salieri hat grossartige Musik geschrieben. Sein Pech war einfach, dass er zur selben Zeit gearbeitet hat wie Mozart: In der ersten Minute seines Requiems steckt mehr Genie als in Salieris gesamtem Werk. Tom Hulce wiederum war grossartig in Milos Formans Mozart-Biografie „Amadeus“ – Hulces hysterische Lache allein war den Gang ins Kino wert. Hulces Pech wiederum war, dass der Salieri-Darsteller F. Murray Abraham ebenfalls für den Oscar als bester Haupt-darsteller nominiert wurde, und hier und für einmal trug Salieri einen späten Sieg über Mozart mit nach Hause, in Form eines kleinen goldenen Mannes. Auch wenn Salieri Mozart mit ziemlicher Sicherheit nicht ermordet hat (die beiden haben gar ein Stück zusammen kompo-niert), mit dem Film-Mozart Hulce ging es nach der Oscar-Niederlage gegen den Salieri alias F. Murray Abraham eher harzig weiter: Wirklich nennenswert in Hulces Post-Amadeus-Filmographie sind nur noch „Mary Shellys Frankenstein“ (1994) und Disneys „Der Glöckner von Notre Dame“ (1996). In „Frankenstein“ spielte er die Rolle von Victor Frankensteins (Kenneth Branagh) altem Studienkollegen Henry und im Disney-Trickfilm lieh er dem Glöckner seine Stimme. In den letzten zehn Jahren hat er sich an bloss drei Filmen beteiligt: Am Sequel zu der „Glöckner of Notre Dame“ (2002), an Marc Forsters „Stranger Than Fiction“ (2006, Dr. Cayly) und an „Jumper“ (2008, Mr. Bowker) – mässig erfolgreiche Filme oder kleine Rollen. Nur vor der Theaterbühne spendet ihm der Erfolg auch weiterhin tosenden Applaus: 1990 war er für einen Tony-Award für seine Rolle am Broadway-Stück „A Few Good Men“ vorgeschlagen, und vor drei Jahren erhielt er ihn dann auch als Haupt-Produzent des Musicals „Spring Awakening“. Trotz dieses Erfolgs ist Hulce ein Top-Kandidat für „Was wurde aus…“-Artikel. Hulce, der zurückgezogen in einem Haus in Seattle lebt, ist mit seinem vergleichsweise anonymen Leben keineswegs unglück-lich: „Ich habe meine Hollywoodkarriere vor zehn Jahren beendet – die drei Filme in den Nullerjahren waren Ausnahmen. Durch meine Theaterarbeit bin ich jedoch beschäftigter als je zuvor: Wenn ich mal etwas Freizeit habe, schätze ich die einfachsten Formen der Interaktion – Freunde treffen, quatschen, was trinken“. Der verarmte Mozart wurde nach seinem Tod in ein anonymes Massengrab vor den Toren Wiens geworfen. Sein Darsteller lebt nach dem Tod seiner Filmkarriere glücklich und zufrieden an der amerikanischen Ostküste.



