Nicki Minaj – Touch me, let me kill ya


Nicki Minaj
Sie ist schön und gefährlich – Riesenschlangen fressen, was ihnen in den Weg kommt, Nicki Minaj klappert in ihren Songs bedrohlich. Die Rapperin ist so hungrig, dass sie bald manch Pop-Grösse verputzen dürfte.

Man nehme zwei Esslöffel Nina Hagen, verwandle die Ossi-Punk-Fratze mit einem Schuss Schokoladenglasur in ein sexy Trinidad-Girl, und füge packende Rap-Rhythmen dazu, fertig ist der yummy Nicki Minaj-Cake… Aber Achtung, die Füllung ist giftig! „First things first, I’ll eat your brains, then Imma start rockin gold teeth, and fame. Cause that’s what a mutha fuckin monsta do…“ – eine Minute und fünfzehn Sekunden Droh- und Reviermarkier-Verse in martialisches Stakkato gepresst, nicht schlecht für einen Neuling, all die Ghetto-Bling-Bling-Kollegen wissen seit „Monster“, wer Nicki Minaj ist. Die trägt schrillbunte Fummel und Perücken à la Lady Gaga, nur besagte Mainstream-Pop-Kollegin, mit der sie verglichen wird, drückt im Gegensatz zum sprechsingenden Ungeheuer nicht Kanye West oder Jay-Z an die Wand, „The Cameo of the Year“, gut gemacht Nicki, und das Rolling Stone Magazine kennt sich aus! Doch woher der Zorn, der die Stimme, einfach alles an der 26-jährigen Hip-Hop-Bombe von der „Nimm mich“-Barbie zur „Ich stech dich ab“-Furie wandelt? Minaj, zunächst bei der Grossmutter im Antillen-Kaff Port of Spain aufgewachsen, sah zu, wie Gleichaltrige mit Puppen spielten. Als das Streit atmende Mutterhaus in Flammen stand, weil der Vater im Drogennebel seine Frau zu Kohle rösten wollte, war Minaj nicht mehr nach Kinderspielen. Dann mit fünf der Umzug nach Queens, New Yorks gottverdammtem Endlosvorort: Holzverschläge, Dealer,Nutten und Dreck auf jedem zweiten Quadratmeter. Nicki Minaj hält Stand, rutscht nicht ab, trägt die Wut im Bauch, verwandelt sie aber in positive Energie. An der Elizabeth Blackwell Middle School spielt das toughe Mädel Klarinette, holt den Schauspiel- und Musikabschluss an der LaGuardia High School – klar, mit so einem Zeugnis winken weder Hollywood noch Harvard. Aber andere entdecken ihr Talent: Ein paar Backing Vocals hier, ein paar Songs auf MySpace, Rapper- Ikone Lil Wayne wird hellhörig, der Rest ist ein CD- und iTunesgewordenes Märchen: Mixtapes mit dem Entdecker, MTV lobt, ein Motown-Deal. Es folgen Songs mit Mariah Carey, Ludacris, Usher, Christina Aguilera. Das Debüt-Album „Pink Friday“ (2010) knackt die Billboard-Charts. In den USA kennt sie jeder, hier in Europa bald. Ja, „pink wig, thick ass, give them whip lash“, Lady Gaga und solche müssen sich ducken, wenn das Monster einpeitscht. Britney Spears hat vorsorglich – Angriff ist die beste Verteidigung – angekündigt, Minaj auf ihrer Welttournee mitzunehmen. An deren linkem Arm hat’s ein China-Tattoo, das sagt: „God is always with you“. Mag sein, dass der auch ein Fan ist, Missy Minaj, die „mothafuckin“ Kirche aber kaum.

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