Mondsüchtig: Duncan Jones

Duncan Jones

Duncan Jones wurde auf der Überholspur des Lebens geboren, auf einer von Bars und Bordellen gesäumten Autobahn mit einem Mittelstreifen aus Kokain. Seit er denken kann, hat der Regisseur und Sohn von David Bowie das normale Leben gesucht. Gefunden hat er es nicht. Zum Glück.

Daddy, bist du das? Nicht ganz einfach für Klein- Bowie, in den frühen Siebzigern die zwei bisexuellen Haarspray-Mutanten alias Mama und Papa auseinander zu halten. Das bizarre Problem löst sich von selbst: Mutter Angie brennt mit einem Punk durch, Vater David lässt den Sohn zunächst am Genfersee, später in Berlin von einer Nanny aufziehen – während er selbst so viel Koks raufzieht, dass er manchmal das halbe Hirn  ins Taschentuch rotzt. Schulferien verbringen die Bowies bei Mick Jagger in der Karibik – zwischen Groupies, Magnumflaschen und Paparazzi- Objektiven. Bis der Teenie protestiert. Er lässt das Celebrity-Pseudonym auf dem alten Kontinent zurück, studiert unter bürgerlichem Namen in Ohio und scheut das Rampenlicht wie Papa das Tageslicht. Schön. Aber Junge, was soll denn bloss aus dir werden? Die Weichen stellt ein Frosch, respektive: das Praktikum in der Jim Henson Company, der Geburtsstätte von Kermit. Duncan Jones, der als Kind mit einer 8-Millimeter-Kamera Schlümpfe filmte, lässt sich an der London Film School zum Regisseur ausbilden. Doch bevor ein Bowie eine skandalfreie Karriere hinlegt, trägt der Papst ein Black- Sabbath-Shirt. Das Fashion-Label FCUK heuert Jones 2006 für einen Werbespot an. Ein Bitchfight in bester Tarantino- Manier, Fäuste fliegen, Knochen brechen, ein Zungenkuss, dann eine finale Kopfnuss. 127 Beschwerden gehen bei der Advertising Standards Authority ein. Den cineastischen Durchschlag landet Jones dort, wo sich einst Ziggy Stardust rumtrieb: im Weltall. Jedoch ohne schrillen Sci-Fi-Kitsch. „Moon“ (2009) setzt auf düstere Blade Runner-Retro-Ästhetik, in nur 43 Tagen ist die Erdtrabanten- Koexistenz zwischen Sam Rockwell und dem Computer mit Kevin Spaceys Stimme im Kasten. 19 Nominationen an Filmfestivals ermuntern den Newcomer, weiter die futuristische Schiene zu fahren. In „Source Code“, der im Juni in den hiesigen Kinos startete, reist Jake Gyllenhaal durch die Zeit, um einen Sprengsatz zu entschärfen, findet jedoch nur die Sexbombe Michelle Monaghan. Für „Superman“ und „The Wolverine“ erhält Duncan Jones Absagen. Egal, Superhelden-Blockbuster passen eh nicht zum 40-Jährigen, der sein Mädchen vor der Presse abschirmt und in einer Männer-WG in Chelsea haust. „Moon“ will er zu einer Trilogie ausbauen, Rockwell habe bereits seine Hand drauf gegeben. In der Schublade liegt überdies das Skript zu „Mute“, einem Zukunftsdrama aus Berlin. Auf die Frage, ob David Bowie dazu den Soundtrack komponiere, hat Duncan Jones bloss eine Antwort: „We are no family business“.

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