Seine Flügel waren die Drogen, Partywahn sein Aufwind, doch wer den New Yorker Szene-Thron erklimmt, hat bald Ikarusʼ Geist im Nacken. Club Kid Michael Alig war nah an der Sonne. Fast hat er sie berührt.
Du musst das wahre Leben umarmen, damit du es spürst – dich nicht in Fantasien flüchten. Michael Alig tat beides. 1986, das Studio 54 rotzt letzte Koksreste aus, und macht dicht. Big Apples immergeile Szene lechzt nach Ersatz. Alig steht in den Startlöchern. Sein Problem: Als Landei aus Indiana den unantastbaren New Yorkern einen Urknall von Club zu verpassen, geht nicht mal eben, es folgt Schwerstarbeit: Miese Drag-Zicken anbaggern, lächeln, wenn man verarscht wird, Networking. Alig ist einer von den Irren, die alles geben, um ins „Details“ zu kommen, dabei ist er in der Trend-Discothek „Area“ bloss Hilfskraft – jenem Schuppen, der auch Warhols Hosen feucht werden lässt. Irgendwann reibt Alig seine Beine an einem müden Discobesitzer. Im „Tunnel“ darf er dessen Geld verprassen. „Hey Mädels, der Kerl hier hat nur Dollarscheine an, rupft ihn“ – solche Shows schaffen Fans. Besser: Der Zampano gibt eine Gummipool-Party, zerhämmert die Wasserleitung, Hunderte nackter Drug Addicts suhlen sich in der Dreckspfütze.
Alig und seine Club Kids
Plötzlich gewinnt Michael Alig an Profil. Sich und seine neuen Jünger tauft er Club Kids. Und Peter Gatien, sein Gönner, zahlt dem Rattenfänger alles, damit die Kassen klingeln, auch eine Partyreihe, „Disco 2000 – The Autobahn of Nightclubs“. Die 90er, der Club-Kid-Vater ist auf der Höhe, selbst Dianne Brill schaut vorbei. Der Maestro unter den Partyveranstaltern castet Weirdos für Events, die zum Stadtgespräch werden, immer lauter, immer perverser. The Pee Drinker schockt, siamesische Zwillinge spielen Country, und Trash-Drag Ida Slapter zieht aus ihrem Hintern eine grellbunte Lichterkette. Harte House-Beats, Ecstasy, Ketamin und Heroin geben die Restwürze. Alig pfeift, die Club Kids stehen stramm – lassen sich in einen Container einschliessen und auf einem LKW durch die Stadt schütteln. Auf dem Peak gehen die Nachtvögel on Tour, ins TV, die Joan Rivers Show lädt zu Fummel und Tierkostüm.
Wahnsinn, Mord, Knast
Dann der 17. März 1996: Michael Alig und Best Body Freeze streiten mit Club Kid Angel. Der ist Dealer. Es geht um Kohle. Freeze schlägt Angel mit einem Hammer auf den Kopf. Überall Blut, Angel lebt noch. Da gibt Alig, der keine Grenzen mehr sieht, den Henker. Er spritzt Gift und presst ihm ein Kissen ins Gesicht. Den Toten zersägt er und schmeisst ihn in den Hudson River. Später prahlt er damit. Überall. Bis die Leiche auftaucht. Heute sitzt er im Knast. „Drogen haben ihn verrückt gemacht? Sie haben Michael zusammengehalten. Er war längst verrückt“, sagt Ex-Lover James St. James. Das hat ihn nah, zu nah an die Sonne getrieben.
Sideline: Vom It-Girl Ins Out
Party-Kontakte machen It-Girls, doch die sind oft schneller am Ende als die Party. Model und Sängerin Nico lernte Andy Warhol kennen, der ihre erste Single produzierte. Höhepunkt, ihr Part auf dem Album „The Velvet Underground and Nico“ (1967). Heroin brach ihr fast das Genick, ein Fahrradunfall endgültig. Tod mit 49. Edie Sedgwick schaffte es sogar zur Warhol-Muse. Ihr Aufstieg und Fall (Psychoknacks, Drogentod mit 28) ist so schillernd, dass der Stoff für einen Film („Factory Girl“, 2006) herhält. Jennytalia ging bei Michael Alig ein und aus, schaffte es zum Gaultier-Model. Sie lebt noch, letzte Infos: In irgendeiner Mülltonne versucht sie ausgehungert Dosen zu knacken – das Crack hat ihr Geld aufgezehrt.








