Let’s face it, Charlie Sheen

charlie sheen

Was im Gesicht von Charlie Sheen geschrieben steht, verrät Pietro Sassi.

Er reisst die Augen auf, schreit was von Adonis-DNA, gibt den König der Welt, der er längst nicht mehr ist, im Grunde nie war. Charlie Sheen hat sich selbst verabschiedet. Ein zu Boden gesunkenes Wrack, das nicht mehr viel von dem 19-Jährigen hat, der damals nach Hollywood kam, und dann auch wieder sehr viel: denn ist es nicht der Anfang, in dem das Ende liegt? Mit 21 wird Sheen zum Star, mit 25 hat er den ersten Entzug hinter sich. Die Huren, der Sprit, das Koks, alles schon da. Der erste Dominostein fällt, als Sheen mit 31 wegen häuslicher Gewalt vor Gericht steht. Er fährt einen Dauertrip, zwei Jahre lang, dann bringt ihn eine Überdosis auf die Intensivstation. Das stupide Szenario wiederholt sich fast per Rückspultaste 20 Jahre später – nach einer zu Beginn noch makellosen Ehe mit Denise Richards und dem Anfangserfolg als Charlie Harper in der Serie „Two and a Half Men“ (2003-2011), die ihn zum bestbezahlten Sitcom-Darsteller macht. Ihm Millionen – „nein“, korrigiert er, „Milliarden“ – von Fans bringt und ihn auf seinem irren Weg nach mehr, alt aussehen lässt. Oder in seinen Worten: nach einem modernen Hugh Hefner.

Charlie Sheen1. Charlie Sheens mentales Durchhaltevermögen, siehe durchzogene Stirnquerfalten, ist bemerkenswert, was Oliver Stone bezeugen kann, der mit ihm für zwei Filme zusammengearbeitet hat und seinen Schützling bei den Dreharbeiten Blut und Wasser schwitzen liess: „Ausdauer und Biss zählen zweifellos zu seinen Stärken.“

2. Kompromisse sind nicht sein Ding, Geduld noch weniger. Indiz dafür ist der fliessende Übergang von Stirn zu Nasenrücken. Interviews mit Sheen verlaufen denn auch meist unruhig, der Protagonist wippt mit den Beinen, fuchtelt mit der Hand in der Luft: „Geh mal rüber zur nächsten Frage. Schiess los!“

3. Charlie Sheen, Nutten-Bumser und freudloser Hedonist. Held blonder Porno-Püppchen mit einem Lachen, breiter als ihr Allgemeinwissen und Zähnen, die im Dunkeln leuchten. Zweimal pro Tag brauche er Sex, flöten seine Gespielinnen. Die Leidenshaft hätte er, seiner buschigen Augenbrauenbehaarung nach zu urteilen, auch für vier-, fünfmal. Aber die Leidenschaft ist immer nur Teil des Temperaments und endet selten im Schlafzimmer. „I love my family violently“, sagte Sheen einst. Und jeder weiss, dass an der Aussage mehr dran ist als den Beteiligten lieb wäre. Einer Freundin schoss er mal in den Arm, versehentlich, versteht sich.

4. Die Oberlippe des 56-Jährigen springt einem nicht ins Auge. Dünn wie sie ist, kann man von wenig Bauchgefühl ausgehen. Sheen braucht Fakten, wenn er entscheidet.

5. Auch wenn auf diesem Bild nicht ersichtlich, der Amorbogen des Schauspieleris ist deutlich ausgeprägt, sein Einfühlungsvermögen lässt nicht zu wünschen übrig. Schade nur, dass der Schnaps alles Gute irgendwann aus der Seele schwemmt.

6. Erstaunlich: Charlie Sheens Selbstbewusstsein scheint nicht besonders gross. Das Innenohr ist klein, tangiert das Aussenohr nicht. Ein Übel für jeden Präsentationsknecht, sollt es doch gerade bei ihm üppig ausfallen. Andererseits: Napoléon hat auch ganz gut ohne gelebt.

7. Im Gegenzug hat Sheen eine Ecke im Aussenohr, ein Zeichen für einen reichen Ideenfundus. Ideen, die bisweilen etwas verrückt sind und deshalb auch nicht umgesetzt werden. Aber wer will das schon so genau wissen.

8. Was wir hier sehen, ist die Kinnquerfalte, auch Motzfalte genannt. Sie ist bei Menschen deutlich, die schlecht aufs Maul sitzen können. 3 Millionen Dollar pro Episode hatte Sheen gefordert. Schmerzensgeld für den psychischen Stress durch seine Rolle. Dabei hat er bei „Two and a Half Men“ nur sich selbst gespielt. Ein finanziell auf dem Trockenen sitzender Mann mit einem Faible für Huren und Silikonbrüste.

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