
„Ich kann gar nichts bereuen, weil ich mich niemals erinnere, was ich mir einmal gewünscht habe. Ich bin wie eine Schultafel – alles, was nicht passiert, wird ausgewischt.“ Und: „Für mich ist Einsamkeit der Höhepunkt des Luxus. Ich brauche Zeit für mich selbst, sonst wäre ich nicht das, was ich bin.“
Was er ist, was seine Models (Claudia Schiffer), beziehungsweise Nicht-Models (Heidi Klum) sind, wie es zu seiner Radikal-Diät, zu seiner Karrierelaufbahn kam, all das und noch viel mehr, hat Karl Lagerfeld zu genüge kommentiert. Doch, wer viel von sich spricht, versteckt sich, heisst es. Und das nicht nur hinter der Sonnenbrille.
Für Pietro Sassi ein Grund mehr, sich das Gesicht von Chanels Chefdesigner genauer anzuschauen.

1. Auf halbem Weg stehen bleiben würde Lagerfeld nie. Seine durchgehenden Stirnquerfalten sind ein Indiz für ein starkes mentales Durchhaltevermögen. Das ist insofern anstrengend, da es heisst, der Mann hätte an einem Tag mehr Ideen als andere in ihrem ganzen Leben.
2. Die Augen bleiben hinter der Sonnenbrille, sprich seinem „mobilen Lidschatten“, verborgen. Egal. Die Linien, die dazwischen hervor blitzen, verraten genug. Links sehen wir die Vermittlerfalte. Ein Mann wie Lagerfeld kann kein Knecht sein, er sagt wo’s langgeht, versteht es aber auch, sein Wissen sinnvoll weiterzugeben.
3. Die durchgehende Seelenfalte ist tief, heisst: Der 76-Jährige hat in der Vergangenheit stark gelitten, war eine Zeitlang vielleicht gar depressiv. Das ist nicht weiter tragisch, da die Sache abgeschlossen scheint.
4. Der ehe Abstand zwischen Nase und Oberlippe deutet auf einen grossen Dominanzanspruch hin. Wichtiges Detail: Die Wölbung geht nach aussen. Streng – nein, und böse ist der Wahl-Pariser schon gar nicht.
5. Karl Lagerfeld ist kein Kopfmensch. Wer mit einer solchen Oberlippe durchs Leben geht, entscheidet aus dem Bauch heraus.
6. Er kann schon mal Rumzicken, wenn ihm was nicht passt. Das wissen nicht nur seine Angestellten. Laut Physiognomik liegen dem Hamburger derlei Auseinandersetzungen aber weniger, der weiche Amorbogen zeugt von viel Einfühlsamkeit.
7. Sex ist heute nur noch eine Sportart, findet Lagerfeld. Will man seiner Unterlippe Glauben schenken, scheint es in seinem Schlafgemach tatsächlich wichtigere Aktivitäten zu geben.
8. Laut Grossmama Caroline, lässt Karlchens Französisch zu wünschen übrig: „Er sagt schambong statt jambon.“ Kommunikativ ist er trotzdem. Mal davon abgesehen, dass jede zweite Endung im Magen landet, weiss er, was er sagen will. Wie allgemein Menschen mit markanten Kinnquerfalten.
9. Couture entwerfen, Fotos schiessen, noble Hotels einrichten – Hauptsache, kreativ sein. Wer ein rundes Innenohr hat, will sich musisch betätigen.







