
Von Neurosen getrieben, geliebt, verhasst, skandalerprobt – egal, welches Bild man von Woody Allen hat, er ist einer der grössten Regisseure unserer Zeit. Die Drehbücher zu seinen Filmen schreibt er selbst, der eigentliche Autor jedoch ist das Leben. Es birgt viele Geschichten.
So viele, dass der kleine Mann mit der grossen Brille wie ein Wasserrad läuft, ohne Pause, seit fast 50 Jahren. Ob „Annie Hall“, „Hannah And Her Sisters“ oder „Match Point“, „Vicky Cristina Barcelona“ oder irgendein anderer Film, Sie werden mindestens einen von ihm gesehen haben, und mindestens einen auch gemocht. Im Dezember wird das New Yorker Jahrhunderttalent 75, wir gratulieren vorab, und freuen uns schon auf den nächsten Streifen.

My name is…
In seiner Geburtsurkunde steht Allen Stewart Konigsberg. Mit 16 legt sich der Künstler einen knackigeren Namen zu: Woody Allen – zusammengesetzt aus seinem ersten Vor- und Spitznamen. Der Vater nannte seinen Sohn Woody, weil der im Knabenalter permanent mit einem hölzernen Cricketschläger herumgerannt war.

Geschäftsschädigend
Ursprünglich will Woody Allen seinem Meisterwerk „Annie Hall“ den Titel „Anhedonismus“ geben – „An… häh?“, die Verantwortlichen von United Artists schmettern den Namen ab, der sei ein Marketing-Albtraum: „Niemand weiss, was das Wortungetüm bedeutet, und wer es herausfindet, bleibt gleich zuhause“. Gemeint hatte der Regisseur die Unfähigkeit, dem Leben Freude abzugewinnen, Allen sieht sich vor allem selbst als Anhedonist.

Rosenkrieg
Allen ist 20, als er zum ersten Mal heiratet: die 16-jährige Philosophiestudentin Harlene Rosen. Mit seiner Karriere geht es gerade sehr gut voran – er schafft den Sprung zum Drehbuchautor –, mit der Ehe allerdings bald bergab. Die Scheidung folgt 1962. Schlechter Verlierer, Allen spottet über seine Ex in Gags, die auch als Prosa veröffentlicht werden: „Im Museum für Naturgeschichte haben sie einen Schuh von meiner Frau gefunden. Damit konnten sie einen Dinosaurier rekonstruieren.“ – das Publikum lacht, Rosen antwortet mit einer 2-Millionen-Dollar-Klage.

Koks in der Luft
Woody Allen spielt in „Annie Hall“ („Der Stadneurotiker“, 1977) vor allem sich selbst, einen intellektuellen Clown, der von Neurosen geplagt ist, und das Leben nur durch die Kraft der eigenen Kreativität übersteht. An seiner Seite: Diane Keaton als sein weibliches Pendant. Während des Films kommt es zu einem Betriebsunfall: Alvy (Allen) sitzt mit Freunden beisammen, Koks macht die Runde, da niest er aus heiterem Himmel und verhüllt die Gruppe in eine weisse Wolke. Bei der Preview zerkringeln sich die Zuschauer dermassen, dass Allen die Panne im Film lässt.

Nuts?
Woody Allen hat Panik vor Insekten, Sonnenschein, Hunden, Höhe, kleinen Räumen, und vor dem Tod, zumindest kokettiert er damit. Neben der klassischen Flugphobie hat er Angst vor jedem anderen Ort der Welt ausserhalb New Yorks. Weitere Eigenheiten: Seit seiner Kindheit schneidet er eine Banane fürs Müsli in sieben Stücke – „Wenn ich es anders machen würde, hätte ich Angst, ich brächte das Universum aus dem Gleichgewicht“. Allen kann zudem nur duschen, wenn der Abfluss nicht in der Mitte der Wanne ist.







