
John Lennon in jungen Jahren
Ich will mit 40 noch nicht tot sein, hat er gesagt, und war es doch. Vor dreissig Jahren wurde John Lennon von einem Geisteskranken mit vier Kugeln durchsiebt und verlor 3 Liter Blut.
Ein Mann „arrogant wie ein Adler“, Schlüsselfigur der erfolgreichsten Band aller Zeiten, mit der Stimme eines Engels, und zwei Gesichtern, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. John Lennon predigte den Frieden, den er Leuten in jüngeren Jahren nahm, zeigte grosses Interessen am eigenen Geschäft, gab sich nach aussen aber antikapitalistisch. Erst soll er Frauen geschlagen, dann für sie gekämpft haben. Geliebt hat Lennon eine und besonders auch sich selbst. Vor 30 Jahren wurde er umgelegt, verlor 80 Prozent seines Bluts. Grund genug, wieder einmal an ihn zu denken.
Am Anfang war das Arsch
Ein sarkastischer Rumtreiber, der seine Frau betrog, seinen Sohn vernachlässigte. Der seine Bandkollegen Bastarde schimpfte, sich von LSD ernährte, becherte, prügelte, ja, sogar Frauen schlug. Nicht nett – unser John Lennon vor seiner Persönlichkeitsumwandlung. Am 9. Oktober 1940 kommt er zur Welt. Als seine Mutter von einem anderen geschwängert wird, trennen sich die Wege, Lennon landet bei seiner Tante Mimi. Mit 15 dann das Wiedersehen. Der Hobbygitarrist wird mit aus Reue keimender Liebe überschüttet – und weint, als seine Mutter zwei Jahre darauf von einem besoffenen Polizisten überfahren wird. Lennon beginnt zu zechen, gründet mit ein paar halbschlauen Kumpels seine erste Band „The Quarrymen“ und lernt bald Paul McCartney kennen, der ihn beeindruckt.

Strippen in St. Pauli
Am 17. August 1960 geben John Lennon (damals 20), Paul McCartney (18), George Harrison (17) und Stuart Sutcliffe (20) im Namen der Beatles ihr erstes Konzert. Schauplatz ist ein Stripschuppen im Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli, in dem sich die Jungs kurzerhand einquartieren, um wie die Grossen zu saufen, zu prügeln und zu vögeln. Als der Laden dicht macht, geht es zurück nach Liverpool, wo am 11. Februar 1963 in weniger als zehn Stunden das erste Beatles-Album entsteht: „Please Please Me“.

Dem Vatikan ans Bein gepisst
Manchmal sollte man einfach nur den Rand halten. Lennon aber war schon immer ein Grossmaul. „Wir (die Beatles) sind beliebter als Jesus!“, brüstet er sich 1966 in einem Interview für den Evening Standard und setzt drauf, „Das Christentum wird vertrocknen und verschwinden“. Die Folgen: Boykotte und Morddrohungen. Religiöse Eiferer treffen zusammen, um Schallplatten der Pilzköpfe zu verbrennen, und Auftritte der Band werden von Aufmärschen des Ku-Klux-Klans überschattet. Bis zum letzten Beatles-Konzert soll es nur wenige Monate dauern. 25ʹ000 Zuschauer sind am 29. August 1966 im San Francisco Candlestick live dabei.

Sex, Sex, Sex
Fünf Frauen, zwei oben, drei unten, Sex am Strand, auf dem Dach – wovon träumen Sie? John Lennon soll Friedhöfe bevorzugt und sich dabei mal einen Hintern voller Blattläuse eingefangen haben. Ausserdem, so heisst es, wollte er mit seiner Mutter schlafen, soll sogar gesagt haben: „Vermutlich hätte sie es mir erlaubt.“ Was für ein schönes Geschwister das gegeben hätte!

Dakota Building
Kranker Killer
8. Dezember 1980: Mark David Chapman verlässt das Sheraton Centre Hotel in New York gegen 14 Uhr, in einem Schreibwarenladen kauft der 25-Jährige Lennons LP „Double Fantasy“ und eine Ausgabe von J.D. Salingers „The Catcher in the Rye“. Um 17 Uhr 5 bittet er Lennon beim Verlassen des Dakota Building, die Platte zu signieren. Um 22 Uhr 48 kehren Lennon und Ono zum Dakota Building zurück. Aus sechs Meter Entfernung feuert Chapman los. Zwei Hohlspitzgeschosse treffen Lennons Lunge, eines sein linkes Schulterblatt und eines die Hauptschlagader. John Lennon erliegt um 23 Uhr 07 den Verletzungen im Roosevelt General Hospital. Chapman, ein Mitglied der „Born-Again-Christians“, gesteht die Tat, obwohl ihm sechs von neun psychiatrischen Gutachtern eine Psychose attestieren. Er sitzt heute in der Attica Correctional Facility, in Buffalo, NY. Sein sechstes Gnadengesuch wurde kürzlich abgeschmettert.
Lennon Discography
„Unfinished Music No.1: Two Virgins“ (1968) – mit Yoko Ono
„Unfinished Music No.2: Life with the Lions“ (1969) – mit Yoko Ono
„Wedding Album“ (1969) – mit Yoko Ono
„John Lennon/Plastic Ono Band“ (1970)
„Imagine“ (1971)
„Some Time in New York City“ (1972)
„Mind Games“ (1973)„Walls and Bridges“ (1974)
„Rock’n’Roll“ (1975)„Double Fantasy“ (1980)
„Milk and Honey“ (1984)

Julian Lennon

Sean Lennon
John Lennons Söhne
Sieht aus wie er, klingt wie er – aber Julian Lennon hat den Joker nicht gezogen. Sein Vater verliess ihn, als er 5 war. Später quälten ihn Drogen- und Alkoholprobleme. 1984 kam dann sein Erstlingswerk „Valotte“ auf den Markt. Der Absatz war gut. Der Junge spielt fünf Instrumente, versteht was von Musik, daran gibt’s nichts zu rütteln, leider ist er seinem Vater einfach zu ähnlich. Genauso: Stiefbruder Sean Lennon. Auch er macht Musik, hat bis heute drei Alben rausgebracht. Allerdings ohne grossen Erfolg. Erstaunlich, denn an Kreativität mangelt’s dem 35-Jährigen nicht: Für seine Platte „Friendly Fire“ (2006) drehte er zum Beispiel für jedes Lied einen Kurzfilm, darin zu sehen sind Freunde wie Asia Argento, Jordan Galland, Carrie Fisher und Lindsay Lohan.
1,3 Milliarden – Plattenrekorde
Glaubt man EMI, haben die Beatles bis heute 1,3 Milliarden Platten verkauft. Und mehr Nr.-1-Alben (19 in den USA, 15 in Grossbritannien) als jede andere Band, bzw. jeder andere Solokünstler hervorgebracht. John Lennon (21 Nr.1-Singles in den USA, 23 in Grossbritannien) und Paul McCartney (28 Nr.1-Singles in den USA, 23 in Grossbritannien) gelten als erfolgreichste Komponisten der Pop-Geschichte.

Bed-In, Amsterdam
John Lennon und Yoko Ono verbrachten ihre Flitterwochen in der Präsidentensuit des Hilton Hotels in Amsterdam. Eine ganze Woche lang (vom 25. bis 31. März 1969) begrüssten die beiden in Pyjamas Journalisten und sendeten Friedensbotschaften in die Welt.

Die runde Kleine
Lennon war sehr eitel. Seine Hornbille missfiel ihm, er trug sie kaum. In der Schule konnte er darum nicht von der Tafel lesen und im Kino war er auf die Dialoge angewiesen. „Brillen sind schwul“, knirschte er. Sein Umfeld verschärfte sich daher erst, als Gitarrist Bobby Goldsboro ihm auf Tour Kontaktlinsen empfahl. Später, 1967 um genau zu sein, und mit seiner Rolle im Antikriegsfilm „How I Won the War“ kam Lennon dann zu seiner Nickelbrille. Sie wurde zum Markenzeichen, und dem Letzten, was man von ihm sah: blutverschmiert auf Yoko Onos Plattencover „Season of Glass“.

John Lennon mit Yoko Ono
Kraft der Frau
Die erste war noch ganz Herdfrauchen – und kam entsprechend unter die Räder. Doch mit seiner zweiten, sieben Jahre älteren Frau Yoko Ono wechselte John Lennon das Gesicht. Aus dem Machoarsch wurde ein Feminist ersten Grades (unter anderem zu hören in dem Song „Woman is the Nigger of the World“). Doch der Imagewechsel ist nur das halbe Stück des Kuchens, es heisst auch, die fordernde Aktionskünstlerin hätte den Niedergang der Beatles zu verantworten. Eine Behauptung, die von Experten und Betroffenen immer wieder entkräftet wird.

Two Virgins, na klar.
30’000
Am 29. November 1968 veröffentlichten John Lennon und Yoko Ono ihr erstes gemeinsames Album – „Unfinished Music No. 1: Two Virgins“. Das Cover zeigt die beiden nackt, von hinten wie von vorne. Kaum erschienen, beschlagnahmte die Polizei am Newark Flughafen 30ʹ000 Exemplare. Stellenweise wurde der Verkauf verboten, Händler bedroht, Plattenläden geschlossen. Viel Aufruhr wegen zwei nackten Brüsten und einem Schwanz.
150ʹ000ʹ000
150 Millionen Dollar schwer soll John Lennon bei seinem Tod gewesen sein. Davon gingen 75 Millionen an Yoko Ono. Den Rest teilten sich nicht die beiden Söhne, sondern Wohltätigkeitsorganisationen.
Greatest Singers of All Time
Auf der Liste der „100 Greatest Singers of All Time“ vom Rolling Stone Magazine belegt John Lennon Rang 5. Er steht hinter: Sam Cooke (4.), seinem Vorbild Elvis Presley (3.), Ray Charles (2.), und der Nummer 1, Aretha Franklin.

Koffein-Junkie
Jeder Mensch hat seine Süchte. John Lennon trank bis zu 30 Tassen Kaffee pro Tag. Geht man davon aus, dass eine Tasse Kaffee (150 ml) bis zu 120 Milligramm Koffein enthält, macht das 3,6 Gramm täglich. Einem gesunden Menschen sind aber nur 500 bis 600 Milligramm empfohlen.
9
„Revolution 9“, „One After 909“, „Number 9 Dream“ – fällt Ihnen was auf? Lennon glaubte sehr stark an die Numerologie. Bei geschäftlichen Angelegenheiten zog er jeweils Yoko Ono zu Rate, die ihn mit astrologischen Berechnungen unterstützte. Insbesondere zur Zahl 9 pflegte er eine spezielle Bindung.

Hunger?

Aber ja!
Ein Strich in der Landschaft war er. Mit seinen 1 Meter 80 brachte John Lennon gerade mal 58 Kilo auf die Waage. Ob es an den Drogen (LSD und Heroin) lag, oder an seiner Ernährung (Sushi und Schokolade), man weiss es nicht.







