
Mit seinen Werken bekam das Genre Thriller überhaupt erst ein Gesicht – „Bei Anruf Mord“, „Das Fenster zum Hof“, „Vertigo“, „Psycho“, „Die Vögel“, alles Meilensteine der Filmgeschichte. Allesamt ausgeheckt von Sir Alfred Hitchcock, einem kleinen, dicklichen Mann, der als Regisseur nur Grosses hervorbrachte.
Und der sich selbst so gut zu vermarkten verstand, dass er zu einer der populärsten Figuren des 20. Jahrhunderts heranwuchs. In diesem Jahr wäre Hitchock 111 Jahre alt. FACES verleiht dem genialen Wiederholungstäter einen Extrapreis für sein Lebenswerk. Dem Meister des Suspense, der nichts mehr schätzte als böse Überraschungen, hätte dieser kleine Überfall doch sicher ein wenig Freude bereitet.
136
Bei einer Körpergrösse von 1,70 Metern brachte Alfred Hitchcock in seinen schwersten Tagen 136 kg auf die Waage.
Eier
Der Mann des Grauens hatte ein Gräuel vor Eiern. Sein ganzes Leben lang ass er kein einziges. Ein aufplatzender Dotter sei das Schlimmste, was er sich vorstellen könne, Blut dagegen pures Vergnügen. In „Über den Dächern von Nizza“ (1955) platziert er seine persönliche Phobie: Einmal schaut Cary Grant durch ein Küchenfenster, als ein rohes Ei gegen die Scheibe klatscht. Später drückt Jessie Royce Landis ihre Zigarette in einem Spiegelei aus.
Agatha-Christie-Filme: Nein danke!
Agatha-Christie-Filme sind klassische „Whodunnits“ – ein Mord geschieht, ein Detektiv ermittelt, alles dreht sich nur darum, wer der mörder ist. Hitchcock lehnte dieses Metier ab. Er gilt als Meister der Suspense. Man weiss, wer gut und wer böse ist, aber nie, wohin die Handlung treibt, die Ängste der Akteure überträgt er direkt aufs Publikum. Sein Credo: „Always make the audience suffer as much as possible“.

Blondinen bevorzugt
„Blondinen geben bessere Opfer. Sie sind wie unberührter Schnee, auf dem blutige Fussspuren sichtbar werden.“ Ja, Hitchcock liebte die kühlen Blondhaarigen: Ingrid Bergman, Grace Kelly, Kim Novak. Sein Liebling aber war Tippi Hedren, die er 1962 in einem Fernsehspot entdeckt hatte und auf der Stelle unter Vertrag nahm. Nachdem Hedren Hitchcocks aufdringlichen Avancen während der Dreharbeiten zu „Marnie“ (1964) nicht erwiderte, wurde die Zusammenarbeit aufgelöst.

"Robe" Hitchcocks erster Farbfilm
Erster Farbfilm
Hitchcocks erster Farbfilm „Cocktail für eine Leiche“ (1948), in dem ein schwules Paar eine Leiche auf ihrer Party „aufbahrt“, spielt sich an einem einzigen Drehort ab. Deshalb wollte der Regisseur den Anschein erwecken, der Streifen sei – einem Bühnenstück gleich – ganz ohne Schnit-te in Echtzeit abgedreht. Da eine Filmrolle 1948 nur zehn Minuten fassen konnte, das Werk aber 80 Minuten lang ist, brachte „Hitch“ unsichtbare Schnitte an – zum Beispiel, indem er auf einen Anzug zoomt, und nach dem Schnitt die Kamera wieder zurück fährt. Erst 52 Jahre später konnte erstmals ein Spielfilm in bloss einer Einstellung gedreht werden: „Timecode“ von Mike Figgis.

"Psycho"
Der berühmteste Schrei
Eine der berühmtesten Szenen der Kinogeschichte ist die aus „Psycho“ (1960), in der Janet Leigh unter einer Dusche erstochen wird. Sieben Tage brauchte Hitchcocks Team für die Umsetzung. Die Szene dauert lediglich 45 Sekunden, ist aber aus 70 verschiedenen Kamerapositionen aufgenommen! Jedes Bild wechselt im Schnitt nach nur 0.64 Sekunden – für diese Zeit bahnbrechend.

Vögel
Neben den „heimlichen“ Stars von „Die Vögel“ (1963), tausenden von teils dressierten Vögeln, überrascht dieser Thriller durch seinen Ton. Hitchcock wies seinen Lieblingskomponisten Bernhard Herrmann an, ausschliesslich Vogelgeräusche in eine Art Partitur umzusetzen. Flügelschläge, Kreischen u.ä. erzeugte Herrmann mite einem “Trautorium” dem Vorgänger des Synthesizers. Filmusik gibt es keine.

The Oscar goes to?
Oscar
Sechsmal wurde Hitchcock für den Oscar nominiert. Beim siebten Mal klappte es indirekt. 1979 erhielt er als „Ersatzoscar“ für sein Lebenswerk den Life Achievement Award vom American Film Institute. Hitchcock sah sich nicht als Gewinner: „immer nur Brautjungfer, nie die Braut”.
60 Filme
Hitchcock hatte über 60 Filme gedreht. Sein erster 70-Minüter war „Irr Garten der Leidenschaft“ (1925), damals war er 26 Jahre alt. Es folgten erste kleine Meistwerke: „Easy Virtue” (1928), „Sabotage” (1936), „Verdacht” (1941), „Das Rettungsboot” (1944). In den Olymp des filmhimmels stieg Hitchcock aber erst in seinen Fünfzigern auf mit „Der fremde im Zug“ (1951), „Das Fenster zum Hof“ (1954), „Vertigo“ (1958) und „Der unsichtbare Dritte“ (1959). Den absoluten Höhepunkt erreichte Sir Alfred Hitchcock schliesslich mit „Psycho“ (1960), gefolgt „Die Vögel“ (1963) und „Marnie“ (1964). Sein letztes Werk lieferte er 1976 mit „Familiengrab“.

Mit 5 im Gefängnis
Klein „Hitch“ war fünf Jahre alt, als ihm sein Vater einen Brief in die Hand drückte und auf eine Polizeistation schickte. Der Wachtmeister las den Brief und sperrte den Jungen für zehn Minuten in eine Zelle – mit den Worten: „So machen wir es mit bösen Buben”. Dieses Motiv – ein im Prinzip Unschuldiger gerät in eine auswegslose Situation – verarbeitete Hitchcock später in seinen Filmen am laufenden Band.
Running Gag
Als Running Gag kultivierte Hitchcock in 37 seiner Filme kurze Gastauftritte. meist stand er persönlich vor der Kamera: als Buspassagier neben Cary Grant in „Über den dächern von Nizza“ (1955) oder als Zuschauer eines Spektakels in „Der Mann, der zuviel wusste“ (1956). dreimal erblickt man bloss sein Konterfei: im „Rettungsboot“ (1944) war kein Platz, man sieht „Hitch“ als Model einer Zeitungsanzeige für Übergrössen. In „Cocktail für eine Leiche“ (1948) erscheint seine Karikatur als Neonreklame, „Bei Anruf Mord“ (1954) präsentiert ihn auf dem Foto eines Klassentreffen.
Tod des Meisters
Am 29. April 1980 um 9:17 Uhr wurde Hitchcock tot in seinem Bett gefunden. Diagnose: Nierenversagen.
Mütter sind Drachen
Dominant, besitzergreifend und missmutig! In den meisten seiner Filme übernehmen die Mütter den Part des bösen Drachen. Hitchcocks Erklärung: „Meine Mutter erschreckte mich als ich drei Monate alt war, sie sagte, ‚buh!‘ “
Salvador Dali
Für die Gestaltung einer Alptraumsequenz in “Ich kämpfe um dich“ (1945) engagierte Hitchcock Salvador Dalí. Übergrosse Augen, verschrobene Perspektiven, tiefe Schatten, die Handschrift des berühmten spanischen Malers ist unverkennbar.

Lieber Filme statt Schule
Alfred Hitchcock besuchte eine Jesuiten-Schule in London, die er mit 14 abbrach, um Abendkurse in technischem Zeichen und Kunstgeschichte zu besuchen. Als sein Interesse für Mordfälle aufkam, begann er unter „Hitch“ düstere Kurzgeschichten zu spinnen. Später arbeitete er als Zeichner von Zwischentiteln, entwarf Kostüme und Szenenbilder, versuchte sich als Drehbuchautor, Regieassistent und Produktionsleiter, ehe er seinen ersten Film in Angriff nahm, „Number 13“ (1922) wurde wegen Studioschliessung nie zu Ende gedreht.
19’00 $
Wenn die Kamera von einem Objekt wegfährt, während darauf gezoomt wird, scheint sich der mittlere Bildbereich schneller als der Randbereich vom Zuschauer weg zu bewegen. Bei schneller Führung entsteht so die optische Täuschung des Schwindels. In „Vertigo“ (1958) rennt James Stewart eine Treppe hoch, um eine Frau, gespielt von Kim Novak, zu retten. Weil es zu teuer gewesen wäre, die Kamera senkrecht das Treppenhaus hinunter zu fahren, wurde ein liegendes Modell gebaut. So konnte Hitchcock die Kamera auf einer horizontalen Schiene fahren lassen und gleichzeitig auf das Objekt ranzoomen. Das ganze kostete 19’000 Dollar, die Szene selbst dauert keine Minute.







