In der Zeitung steht, ein Kerl habe Howard Marks umgelegt. Dann: „He’s Alive“. „The Face of a Fugitive“. Und schliesslich: „Drugs King of the World is Trapped at Last“. Sie hatten ja keine Ahnung, wie schnell er wieder draussen sein würde.
Handgelenke, Hüften, Füsse – mit zehn Ketten behängt, so laufen Schwerstverbrecher rum (und Perverse), Leute, die morden, terrorisieren, oder er: Howard Marks, Dope-Dealer mit Oxford-Diplom. Häftling von Terre Haut. Ein übler Knast. 1940 in Indiana gebaut, hält er den Rekord von 20 Jahren ohne geglückten Ausbruch. Bei jedem Besuch, jedem Betreten und Verlassen der Haftanstalt zieht Marks an seinen Ohren, öffnet den Mund, streckt die Arme hoch, hebt den Sack, zieht die Vorhaut zurück, und hält seine Pobacken auseinander. Die Demütigung ist Pflicht. Howard Marks war der grösste Haschisch-Dealer der Welt. Er spannte mit sizilianischen Paten zusammen, mit IRA-Aktivisten, Mitgliedern des britischen Geheimdienstes. Er gründete eine Schule in Karachi, Massagesalons in Bangkok, Bars und Boutiquen – insgesamt waren es 25 Firmen und 89 Telefonanschlüsse. Mit 19 raucht Marks den ersten Joint, er ist ein genussfreudiger Schuft, der früh gelernt hat, dass die Welt ist, wie sie ist – korrupt –, und dass Untersuchungen auch eingestellt werden können. Weil er pleite ist, aber geldaffin, beginnt er zu dealen. Codes und falsche Namen, das ganze läuft wie ein Violinenspiel. Während der 70er und 80er kontrolliert Marks zehn Prozent des internationalen Cannabis-Handels, und hat so viele Namen wie ein Scheich Ehefrauen. Einmal borgt er sich die Identität eines überführten Mörders, das ist okay, Killer sind vorbestraft, werden an der Grenze aber selten zurückgepfiffen. Und so schmuggelt Marks Marihuana in Särgen durch die Luft, versteckt es in Lautsprecherboxen erdichteter Bands. Sieben Mal haut das hin, beim achten Versuch geht er hoch. 1988 ist das, in Spanien. Sie schieben ihn ab, dahin, wo niemand mit Handschellen sein will: die Vereinigten Staaten. Marks wird zu 25 Jahren verknackt. Cannabis zu schmuggeln ist kein ehrenwerter Beruf, aber ja auch nicht kriminell in dem Sinne, Marks hat am Gesetz gekratzt, David gegen Goliath, er hat keinem weh getan. Darum wohl meint es das Leben gut mit ihm. Nach sechseinhalb Jahren, am Valentinstag, erfährt der „Marco Polo de las Drogas“, dass er frühzeitig, heisst: in drei Wochen auf Bewährung frei kommt. Am selben Tag wie Mike Tyson. Und heute? Howard Marks kämpft für die Legalisierung von Cannabis. Drogen seien weniger schädlich, wenn sie entkriminalisiert und somit kontrolliert werden, wie er sagt. Aber noch sehen das nicht alle so.






