
Schön im klassischen Sinne ist Quentin Tarantino nicht. Dennoch fand Uma Thurmann ihn – trotz massiver Stirn – eine geile Sau und soll eine Affäre mit ihm gehabt haben. Ist ja auch verständlich: Genie, Kultregisseur und Oscar-Gewinner in einem. Mehr Futter dazu…
Blutkrusten, zwei Linien Koks und ein Haufen Kies. Uma Thurman schlürft Milkshakes und kämpft mit Schwertern so lang wie das Leben selbst. Jeder legt jeden aufs Kreuz, denn ein guter Kampf ist nie fair. Und wenn dann Samuel L. Jackson mit seiner Räubertasche um die Ecke biegt, kneifen Bullen die Backen zusammen. Willkommen auf der süssen Seite des Lebens, willkommen in Quentin Tarantinos Sensationsfabrik. 18 Jahre ist es her, da der 1.85-Meter-Mann mit sechs Typen in einem Diner Madonnas „Like A Virgin“ auseinander nahm. Damals mit „Reservoir Dogs“ fing alles an. Dann kam „Pulp Fiction“, den Rest kennen Sie. Selten hat ein Filmemacher längere Dialoge gesponnen, selten mehr von sich erzählt. Aber will man denn wortfaul sein, wenn man’s vom Kartenkontrolleur eines Sexkinos zum Kultregisseur geschafft hat? Wenn die Kritiker der Tollste, der Einzige, der Coolste, der Ultimative geifern? Wer sich im Showbusiness kleiner macht, als er ist, rammt sich das Messer in die Brust. Die Klingen aber überlässt Tarantino seinen Schauspielern.

Tarantion in jungen Jahren
Kurzbio
Quentin Tarantino, geboren am 27. März 1963 in Knoxville, Tennessee. Mit 16 schmeisst er die Schule (wer braucht Mathestunden, wenn er einen IQ von 160 hat), übt die Schauspielkunst und kontrolliert Karten in einem Pornokino. Mit 22 heuert der Südstaatler in einer Videothek an, später wagt er einen filmischen Eigenversuch („My Best Friend’s Birthday“), der im Schneideraum verbrennt. Drei Jahre darauf liefert Tarantino ein 500-seitiges Drehbuch, dass er zu „True Romance“ und „Natural Born Killers“ entzweit. Ersteres verfilmt Tony Scott, letzteres Oliver Stone. Tarantino selbst ist jung und braucht das Geld. 1992 aber ist seine Zeit gekommen: Sein Erstlingswerk „Reservoir Dogs“ startet in den Kinos.

Branding
Product Placement? Tarantino mag es nicht. Anstatt auf die Kohle gieriger Konzerne zu setzen, denkt er sich eigene Brands aus, z.B. Big Kahuna Burger, Red Apple Zigaretten und Teriyaki Donut. Aber: Keine Regel ohne Ausnahme. Wenn es um Karosserien geht, setzt Tarantino auf General-Motors-Vehikel. Seine Protagonisten kurven bevorzugt in Chevrolets und Cadillacs durch die Gegend.

Gut gelogen
Lügen haben kurze Beine, aber sie tragen einen weit: Um seine damals noch filmisch erfahrungsarme Vita zu pimpen, behauptete Tarantino schon mal, in George A. Romeros „Dawn of the Dead“ und Jean-Luc Godards „King Lear“ mitgespielt zu haben.

"Jaws" gehört zu Quentins Favoriten
Tarantinos All Time Favorites
In einem Interview auf seine All Time Favorites angesprochen, antwortete Tarantino: „The Good, the Bad and the Ugly“ (1966), „Rio Bravo“ (1959), „Blow Out“ (1981), „Taxi Driver“ (1976), „His Girl Friday“ (1940), „Five Fingers of Death“ (1972), „Pandora’s Box“ (1929), „Carrie“ (1976), „Unfaithfully Yours“ (1948), „Five Graves to Cairo“ (1943), „Jaws“ (1975).

Don Murphy
Blaues Auge
In seinen Filmen werden Drogen und Gewalt verherrlicht, privat kann Tarantino beides nicht ab. Nur einmal ist ihm die Hand ausgerutscht: In einem Restaurant schlug er 1997 „Natural Born Killers“-Produzent Don Murphy in die Fresse, woraufhin ihn dieser zu 5’000’000 Dollar Entschädigung verklagte.

Die Zukunft
In 20 Jahren wird Tarantino Romane schreiben und ein kleines Kino in Los Angeles betreiben. Bis es soweit ist, dreht er weiter Filme. 2014 steht „Kill Bill: Vol. 3“ an. Zudem plant Tarantino ein Remake von Russ Meyers „Faster, Pussycat! Kill! Kill“ mit Eva Mendes, Britney Spears und Kim Kardashian in den Hauptrollen.

Hunde, die bellen, beissen auch
George Clooney, David Duchovny und Samuel L. Jackson wären gern dabei gewesen. Christopher Walken, James Woods und Vincent Gallo hätte Tarantino gern dabei gehabt. „Reservoir Dogs“, seinerzeit kein grosser Erfolg, zählt mittlerweile zu den besten Independentstreifen. Der Grossteil des 90-Minüters rund um einen missglückten Diamantenraub spielt in einer Lagerhalle, die einst als Leichenschauhaus diente. In dieser Halle schneidet Michael Madsen aka Mr. Blond dann auch einem Cop das Ohr ab. Die Szene ging wegen ihrer expliziten Brutalität in die Geschichte ein. Beim Film Festival in Barcelona verliessen mehrere Zuschauer den Saal, darunter Horrorfilmemacher Wes Craven.

Death Proof
Auf die Idee, „Death Proof“ zu drehen, kam Tarantino, als er einem Freund erzählte, er möchte einen Volvo kaufen, um nicht in einem Autounfall à la „Pulp Fiction“ drauf zu gehen. Woraufhin sein Kumpel erwiderte, „lass dir doch irgendeinen Wagen von einem Stunt-Team für 10’000/15’000 Mücken death proof (todsicher) machen“.

John Travolta und Samuel L. Jackson
107.93
„Pulp Fiction“ spielte in den USA 107.93 Millionen Dollar ein, und überschritt somit als erster Indie den 100-Millionen-Umsatz-Rekord. Der Kultstreifen wurde für 7 Oscars nominiert, Tarantino gewann in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch.

Gerry
Gerry, Tarantinos lilafarbener Dildo, ist bei den Dreharbeiten immer dabei, angeblich hat er sogar seinen eigenen Stuhl. Und wenn ein Schauspieler auf dem Set einnickt, wird von ihm und Gherry ein Foto geschossen. Zuletzt geblitzt hat’s bei Brad Pitt.
193
193 Mal fallen die vier Buchstaben „Fuck“ im Episodenfilm „Four Rooms“, den Tarantino für long time buddy Robert Rodriguez geschrieben hat.
Tarantino im Knast
Parkbussen sind nicht Tarantinos Ding, dreimal sass er hinter Gittern, weil er sie nicht bezahlt hat. Zuletzt war es eine Busse von 7’000 Dollar, die ihn zehn Tage Knast kostete. Ein Unschuldslamm war QT aber auch als Kind nicht. Einmal wurde er dabei erwischt, wie er in einem Kaufhaus Elmore Leonards Roman „The Switch“ stahl.

Samuel L. Jackson, Uma Thurman, John Travolta & Bruce Willis
Die Zöglinge
Nachdem sich John Travolta Ende der Achtziger mit laut denkenden Babys auf dem Boden wälzte, wollte ihn keiner mehr sehen. Mit seiner Darbietung als heroinverdorbenen Auftragskiller in „Pulp Fiction“ gelang ihm jedoch ein grandioses Comeback. Und auch wenn es bisher bei jener einzigen Kooperation geblieben ist, hält Tarantino ihn für den besten Schauspieler aller Zeiten. Zudem schätzt der 46-Jährige die Zusammenarbeit mit Tim Roth („Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“, „Four Rooms“), Steve Buscemi („Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“), Bruce Willis („Pulp Fiction“, „Four Rooms“, „Sin City“, „Grindhouse“) und Samuel L. Jackson („True Romance“, „Pulp Fiction“, „Jackie Brown“, „Kill Bill: Vol. 2“, „Inglourious Basterds“). Seine Muse, oder wie er sagt „Marlene Dietrich“, ist und bleibt aber Uma Thurman („Pulp Fiction“, „Kill Bill: Vol. 1“,„Kill Bill: Vol. 2“).

Markenzeichen
Dass Quentin Tarantino auf B-Movies und Italowestern abfährt, ist kein Geheimnis. Und nicht selten kupfert der Autorenfilmer von seinen Vorbildern (Sergio Leone, William Witney, Stanley Kubrick, Alfred Hitchcock, Martin Scorsese, Jamest Best) ab. Weitere Markenzeichen Tarantinos sind Mexican standoffs (Pattsituation, in der drei oder mehrere Darsteller gleichzeitig mit Waffen aufeinander zielen), die Filmmusik (Rock’n’Roll, Surfrock, Texas-Blues) und die Verknüpfung zu seinen früheren Werken. So wird in „Reservoir Dogs“ von Pam Grier gesprochen, die fünf Jahre später in „Jackie Brown“ den Hauptpart mimt. Und Vic Vega („Reservoir Dogs“) ist der Bruder von Vincent Vega („Pulp Fiction“).

Liebesleben
Tarantino steht auf Frauen, aber wenn Sex mit einem Mann, dann mit Elvis Presley. Auch scharf findet er Catherine Keener. Beziehungen allerdings sind nicht sein Ding, wie er sagt, weil er ein Einzelkind ist. Mit Mira Sorvino war er trotzdem zwei Jahre zusammen. Sein derzeitiges Herzblatt ist die israelische Musikerin Daniela Pick. Die vermutlich ein hübsches Hinterteil hat, denn das ist Tarantino wichtiger als ein wacher Geist. Als er noch jung (30) und dumm war, hat er mal ein Mädchen betrogen. Danach war er dermassen depressiv, dass er ein paar Flaschen Hochprozentiges leerte, um sich im Zeichen seiner Vergeltung den kleinen Finger abzuschneiden. Gekommen ist es nicht dazu. Ein Freund bat ihn, das Messer einzustecken und das Denken beim nächsten Mal dem Kopf zu überlassen.







