Viele nennen ihn Hollywoods letzten Gentleman. Er könne gar Cary Grant das Wasser reichen. Alles falsch. George Clooney ist besser, viel mehr: Beliebtester Kinderarzt („Emergency Room“), weltelegantester Kaffeetrinker (klar, Nespresso), Drehbuchautor, Regisseur, Charmeur ohne Grenzen – der zudem was in der Birne hat.
Mit Massenfilmen macht er das Geld, was er für die wirklich wichtigen Dinge wieder ausgibt. Dieser Mann ist politisch motiviert, ein Kritiker, ein Weltverbesserer – zumindest versucht er’s. Und einer, an dem sich alle, die eine Schwäche für graue Schläfen und sanfte Augen haben, den Mund wässrig reden: Der Frauen-Verzehrer will nicht glücklich werden, heisst, wie immer, für bangende Schwestern und Gerüchteköche: Der ist schwul! Nebensache. George Clooney ist ein Grosser. Kaum zu glauben, jetzt ist er 50. Zeit, ihm eine Doppelseite zu widmen.
George Clooney hat mal gesagt, er hätte über 1ʹ000 Frauen beglückt. Trotz halbherzigem Dementi wird die Zahl weiter zitiert. Egal, wie viele, das Zeug für eine lange Beziehung hat er nicht. Trotzdem, einmal war er verheiratet: mit Talia Balsam (1989-93). Allerdings kommt für ihn die Ehe nie wieder in Frage. Hat er auch gesagt. Seine letzte Freundin, Elisabetta Canalis, kam dafür zwar ins Gespräch, ist aber auch schon wieder eine Ex (2010-11).
Bereits vor 15 Jahren setzten Michelle Pfeiffer und Nicole Kidman 10’000 Dollar darauf, dass George Clooney bis zu seinem 40. Geburtstag Vater würde. Die Wette ging verloren, die Damen schickten dem Star brav das Geld. Clooney sandte es zurück, Kommentar: „Ich verdopple, wir verlängern die Wette auf meinen 50.“ Falls Pfeiffer und Kidman darauf angesprungen sein sollten, wissen wir, wie viel sie jetzt abdrücken müssen.
George Clooney stand bereits im Alter von fünf Jahren auf der Bühne. In der Quizsendung „The Nick Clooney Show“ hielt er für seinen Daddy Texttafeln hoch.
135 Kilogramm schwer, ein „Duft“ wie 14 Tage ungeduscht, keiner, mit dem man das Bett teilen möchte. George Clooney tat’s. Mit Max, seinem Hängebauchschwein. Der Schauspieler pflegte eine innige Beziehung zu dem Eber, der seine Villa in den Hollywood Hills bewohnte. 2006 im Alter von 18 verstarb das Tier, welches Clooney aus seiner Beziehung mit Kelly Preston „geerbt“ hatte. Bis heute trauert der Star, hat sogar über ein Medium Kontakt aufgenommen: „Er ist sehr glücklich als Geist und hängt noch manchmal bei mir ab.“
Mit rund 160 Millionen Dollar Privatvermögen ist George Clooney der fünftreichste Hollywoodschauspieler (Platz eins: Tom Cruise, 250 Millionen). Trotzdem plagen ihn Zukunftssorgen: „Ich habe immerzu diesen Gedanken, ich könnte pleite gehen.“
Clooneyspielt seinen Freunden gern Streiche: Regisseur Jason Reitman („Up In The Air“) versteckte er am Abend der Verleihung den Golden Globe. Co-Star William Fichtner („The Perfect Storm“) liess er zu dessen Entsetzen Getriebeöl unter den frisch restaurierten 1970er-Plymouth giessen. Und als Matt Damon in Clooneys Villa am Comer See weilte, glaubte der völlig benommen, er würde Gewicht zulegen. Die Wahrheit: Clooney hatte eine Schneiderin engagiert, die Damons Anzüge täglich enger nähte. Best Buddy Brad Pitt bestellte er sogar Callboys ans Set.
In nur 30 Tagen nahm George Clooney für den Polit-Thriller „Syriana“ (2005) über eine „Pasta-Heavy Diet“ 16 Kilogramm zu! Und wie wird man das wieder los? Clooney: „Ganz einfach, nichts essen.“
George Clooney ist ein Umweltbewusster: 2006 schaffte er sich für 108ʹ000 Dollar das elektrisch betriebene Auto „Commuter Cars Tango“ an und zierte noch im selben Jahr neben Robert F. Kennedy Jr., Julia Roberts und Al Gore das Cover der „Vanity Fair Special Green Issue“. 2007 verzichtete er sogar auf Dreharbeiten zu „White Jazz“, um sich dem Klimaschutz zu widmen, Hollywoods Darling trat in den Verwaltungsrat der von Nicolas Hayek gegründeten Belenos Clean Power Holding ein, die alternative Energiesysteme entwickelt. Vergangenes Jahr hat er seinen „Tango“ gegen eine „Tesla“-Rakete eingetauscht. Dieser E-Wagen bringt’s auf schicke 100 km/h in nur 4 Sekunden.
„Syriana“ (2005) – Das dreckige Ölgeschäft, und Clooney mittendrin. Kompliziert, smart, gut. So gut, dass „Big George“ das Golden Globe-Oscar-Double schafft.
„Ocean’s Eleven“ (2001) – Steven Sonderberghs Remake der Gaunerkomödie von 1960 holt das Rat Pack ins neue Jahrtausend. Damon, Garcia, Pitt, Roberts – ein Dreamteam für George Clooney, der erobert mit seinem Charme die Massen.
„O Brother, Where Art Thou?“ (2000) – Die Coen-Brothers und die hohe Filmkunst.
Mississippi 1937, Wirtschaftskrise, biblische Anspielungen. Clooney als Sträfling auf der Flucht, auch vor seinem „Emergency Room“-Kittel-Image. Mit Erfolg, ein Golden Globe!
„Good Night, and Good Luck“ (2005) – Drehbuch, Regie, zweite Hauptrolle. Clooney kann was. Auch mit viel Feingefühl die dramatische McCarthy-Zeit treffend in Szene setzen.
„From Dusk Till Dawn“ (1996) – Wer in Robert Rodgriuez’ Splatter-Kultstreifen (ein Motel voller Vampire) den Hauptpart spielt, betreibt Zukunftsvorsorge: Die Gesichter bleiben im kollektiven Gedächtnis haften.
„The American“ (2010) – Clooney ist Jack, ein wortkarger Auftragskiller mit der
Angst im Nacken. Anton Corbijn hat Hollywoods Liebling die Antiheldenrolle wie
einen Massanzug auf den Leib geschneidert.
Clooney wollte schon aufgeben. 1982 drängte es den Mann aus Kentucky, Spross einer Entertainerfamilie, ins Filmbizz. Er zog nach L.A., wartete ein Jahr vergeblich auf Rollen, schlief im Schrankbett bei einem Freund, jobbte als Schuhverkäufer, sein erster Film (neben Charlie Sheen) blieb unveröffentlicht. Und trotz Vitamin „B“ seiner Tante Rosemary klebte Clooney in zweitklassigen Produktionen fest. Auch mit seiner Rolle im TV-Hit „Roseanne“ als Vorgesetzter von Roseanne Barr (für eine Staffel) holte er sich keine Lorbeeren. Dann „Emergency Room“. Ab 1994 besetzte Clooney den Part von Kinderarzt Doug Ross. So ein Kittel macht sexy, bald hatte die Fan-Gemeinde Ausmasse angenommen, dass auch Hollywood nicht mehr weggucken konnte. Quentin Tarantino und Robert Rodriguez holten ihn für „From Dusk Till Dawn“ – wer am Ende eines Vampir-Massakers übrig bleibt,
bleibt länger.
Politik geht alle was an, so das Credo. Clooney ist Pazifist und bezieht auch in Filmen
Stellung. George W. Bushs Aussenpolitik zeigte er bei öffentlichen Auftritten den Finger, 2004 sammelte er Spenden, um seinen Vater Nick im Wahlkampf fürs Repräsentantenhaus zu unterstützen. Zudem reist Clooney in Krisenregionen, um auf humanitäre Missstände aufmerksam zu machen. Dem Film „Sand and Sorrow“ (2007), der Völkervertreibung im Sudan dokumentiert, hat er seine Stimme verliehen. 2008 ernannte ihn die UN zum Friedensbotschafter. Seit 2010 ist Clooney Mitglied auf Lebenszeit des Council of Foreign Relations. Das Projekt Satellite Sentinel, welches mit hochauflösenden Bildern als Frühwarnsystem für Menschenrechtsverletzungen dienen soll, ist eine seiner Initiativen.
Für Clooneys Sexappeal werden oft die grauen Haare verantwortlich gemacht. Ein Erklärungsansatz von Sexualforschern: Grau steht für Sicherheit und Lebenserfahrung. Das geht aufs Tierreich zurück. Wie beim ältesten Affen mit ergrautem Pelz wirke Clooney als ein Anführer, der weiss, was zu tun ist. Frauen, die emotional und sexuell frustriert sind, meinen, bei ergrauten Kerlen zu bekommen, was ihnen fehlt: Beachtung, Einfühlungsvermögen, Wertschätzung.
Dieser Vorzeige-Amerikaner liebt Italien. Seit Jahren gehört ihm die Villa Oleandra in Laglio am Comer See, wo er sich in den Sommermonaten aufhält. Eine weitere Immobilie, die er dort 2002 erwarb, die Villa Regina, verkaufte er an Tom Cruise. Wachsende Promi-Quote (Richard Branson, Rupert Murdoch u.v.a. zogen nach), wachsende Preise – die Einheimischen reagieren unterschiedlich: Liebesbekundungen am Bushäuschen („George, you’re my reason to survive“), Liebesgrüsse von Hooligans (2005: Einbruch, Verwüstung) auf der anderen Seite.
George Clooney sieht zwar nach Bourbon aus, trinkt aber am liebsten Bier. Angeblich trinkt er täglich mindestens eine Flasche. Bei den Dreharbeiten zu „Oceans Twelve“ liess er sich sogar ein Fass in der Garderobe installieren.


























