
Was im Gesicht von Christoph Waltz geschrieben steht, verrät Pietro Sassi.
Man hat ihn gesehen, in diesem und jenem Film, als Polizist und Verbrecher, meistens leicht gestört, aber immer gut. Auffallend gut sogar. Nur der Namen, der war prä-„Inglourious Basterds“ wahrscheinlich nur einem erlauchten Kreis von Filmfans einBegriff. In Tarantinos kontrafaktischem Hitlerfilm gibt der Wiener den Judenjäger Hans Landa – die (Neben)Rolle seines Lebens –, sichert sich dafür einen Oscar und die Bewunderung jedes mächtigen Dicksacks in Hollywood sowie der A-Liste unter den Schauspielern. Christoph Waltz ist ein Star und leuchtet hell wie die Scheinwerfer an den Academy Awards. Da wird ein Al Pacino schon mal von Produktionsfirmen umgangen, und Brad Pitt muss damit leben, dass ihm ein Österreicher – die Amis kannten davor nur zwei: Schwarzenegger und eben Hitler – die Show gestohlen hat. Aktuell ist Waltz in „The Three Musketeers“ zu sehen. Polanskis „Carnage“ (Start 1. Dezember) und Tarantinos „Django Unchained“ (2012) folgen. Und früher oder später wird das mit Sicherheit auch der zweite Oscar tun.

1. Mit Theater fing es an, dann kam das Fernsehen, später das Kino und dazwischen war – wie es sich für einen ordentlichen Künstler gehört – ein stetes Auf und Ab. Mit Technik hatte Christoph Waltz beruflich gesehen nicht viel zu tun, seine Stirnkanten allerdings weisen auf technisches Verständnis hin. Ohne Kombination von Augenbrauenpolster, aber nicht weiter hilfreich, denn Letzteres macht die Umsetzung aus.
2. Die Unterlippe des 54-jährigen Wieners ist dünn, der Genussbereich verschenkt. So einen Mann kann man nicht mit Tränen und Rufen überzeugen, da zählen Fakten und Beweise. Nüchtern betrachtet er dann auch lächerliche Warnungen vor Hollywoods-Haifischbecken: „In Europa sagen sie, die wollen dich nur auspressen wie eine Zitrone. Aber wenn ich doch den Saft hab, warum sollten sie nicht.“
3. Schauen wir uns die Augen an, fällt auf: das linke ist kleiner, woraus wir schliessen können, dass Waltz ein guter Beobachter ist. Ein grösseres rechtes Auge haben Menschen, die sich nach aussen orientieren. Unterm Strich macht das einen aufmerksamen Betrachter, der sich für seine Umwelt interessiert, und somit gut in verschiedene Rollen schlüpfen kann.
4. Früher konnten sich nur bedeutende Persönlichkeiten eine annehmliche Gesichtsbehaarung leisten, niemand sonst brachte das Geld für die Pflege eines Figaros auf, und so zieht sich das hin, durch die Geschichte, in manchen Kulturen ist es gar eine Sünde, den, Bart zu stutzen. In der Lehre der Physiognomie gilt: Je gepflegter der Pelz im Gesicht, desto ehrgeiziger ist sein Träger. Und die These geht auf, bei Karl Marx genauso wie bei Christoph Waltz. Der Schauspieler gilt als strebsamer Künstler, der seine Darbietungen seit Karrierebeginn analysiert und optimiert – und es so zu Höchstleistungen schafft. Nicht viele Österreicher können von sich behaupten, in Hollywood heisse Ware zu sein. Brandheiss. Für einen Arnold Schwarzenegger hat sich weder die Oscar-Jury, noch ein Quentin Tarantino jemals interessiert.




