
Was im Gesicht von Anna Wintour zu lesen ist, verrät Pietro Sassi.
„Icy Bitch!“ Drei Silben. Und jede einzelne davon lässt Anna Wintour kalt. Die Teufelin schert sich einen Dreck um die Meinung anderer. Ihre Massstäbe sind ohnehin höher gesetzt. Sie bewundert Vater Charles Wintour – „one of the greatest editors of the second half of the century“ – ein gefürchteter Mann, und ihre Geschwister (James Charles, Generaldirektor des Gravesham Borough Council, Nora Hilary, Direktorin der Public Services International in Genf, und Patrick Walter, Herausgeber von The Guardian), die allesamt mehr leisten, als zu entscheiden, ob der Bubikragen in diesem Jahr wieder getragen wird oder nicht. Seit 23 Jahren hat Wintour die Chefetage der amerikanischen Vogue für sich gepachtet. Sie gilt als einflussreichste Frau der Fashion-Industrie, stürzt Millionen Mädchen in die Magersucht, und lehrt Designern das Fürchten. „Yes is yes and no is no“, sagt Kollege Lagerfeld über die 61-Jährige. Damit hat Anna Wintour nicht nur in der Modebranche das letzte Wort.

1. Anna Wintours Nasenrücken ist breit, woraus sich schliessen lässt, dass die Britin sehr gut mit Druck umgehen kann. Unter anderen Umständen liessen sich auch kaum Ausgaben publizieren, die 840 Seiten dick und gut zwei Kilo schwer sind, wie 2007 die September Issue der US-Vogue.
2. Der Augenstand ist hoch, Wintour denkt schnell. „Vernünftig. Intelligent. Dynamisch.“ Innert Sekunden bringt die Wahl-New-Yorkerin die neusten Kollektionen auf den Punkt, die ihr Designer präsentieren – in der Hoffnung, auf ihre Unterstützung zählen zu können. Marc Jacobs, John Galliano, Stella McCartney und Alexander Wang haben Karriere gemacht, weil sie das so entschied.
3. Nasenspitzenkanten bei erfolgreichen Menschen –keine Seltenheit, sie stehen für einen perfektionistischen Charakter. Wintour ist ein klassischer Optimierer, nur das Beste ist ihr gut genug. Eine Einstellung, die ihr zum Titel „Editor of the Year“ verhalf.
4. R.J. Cutler, der Regisseur von „September Issue“, beobachtete die Modejournalistin acht Monate bei der Arbeit und hielt unter anderem fest: „Bei Anna beginnen Meetings in der Regel fünf Minuten vor der geplanten Zeit. Wer fünf Minuten zu spät kommt, geht das Risiko ein, alles zu verpassen, denn Sitzungen, die über sieben Minuten hinauslaufen, gelten als lang.“ Kein Wunder, ist ihr Übergang von Stirn zur Nase fliessend – bei Menschen üblich, die als ungeduldig gelten.
5. Erstaunlich: Wintours Dominanzanspruch ist nicht sonderlich ausgeprägt, der Abstand von Nasenspitze zur Oberlippe ist gering. Dass die gebürtige Londonerin trotzdem so gut den Marsch bläst, liegt an der Erziehung, Vater Charles sagte so ziemlich jedem, wo’s langgeht.
6. Die Unterlippe der Modejournalistin ist markant und leicht überlappend, in diesem Fall ein Indiz von Neigung zum Workaholic. Anna Wintour gilt seit ihrem Karrierestart bei Harper’s Bazaar als äusserst ehrgeizig, so gelang ihr der Aufstieg vom Junior Fashion Editor zum festen Mitglied der Redaktion in nur neun Monaten.







