Carlos y Fabian* Punta 2.Teil

Carlos mit Killerhandschuh

Ich lernte die beiden in Punta kennen. Carlos, der waschechte Local und Fabian aus Buenos Aires, der mir an jeder gottverdammten Party über den Weg lief. Die beiden verbindet nicht viel, und doch haben sie etwas gemeinsam: Sie sind die grössten Hochstapler, denen ich jemals begegnet bin und offerieren sich als Paradebeispiel der lateinamerikanischen Angeberei. Leider ist der eine weniger erfolgreich als der andere. Das ist indessen einfach zu begründen: Und zwar durch den Kokskonsum des einen, und dem Koksverkauf des anderen. Carlos zieht sich die Angeberattitüde die Nase hoch, und Fabian schmückt sich mit Federschmuck von Dior und einigen Escort Damen der höchsten Liga. Offiziell ist er aber Party Inspector, so steht’s auf seiner Businesscard geschrieben. Was der andere, also Carlos, wirklich treibt, weiss man hingegen nicht so genau, seine Visitenkarten dienen wohl ausschliesslich als Equipment für die perfekte Linie.

Nun, dass Carlos eigentlich Produzent sein will, das erfährt man automatisch, sobald man sich dem gutaussehenden, muskelbepackten Chigolo nur annährend zuwendet. Und zwar in L.A., versteht sich.

Das erste Mal sah ich ihn, als er sich in das schmucke Haus meiner Bekannten ungefragt einquartierte und soeben die Duschwand zerbrochen hatte. Sein schäbiges Häuschen im Nowhere hat er irgendwelchen leichtgläubigen Touristen vermietet. Schliesslich muss er seinen Freundinnen etwas bieten können. Darum der Upgrade in das Haus der drei New Yorker Bankers. Die störte es wenig, denn Carlos hatte ihnen versprochen, dass er laufend Models aus seinem Bekanntenkreis anschleppen würde. Natürlich geschah nichts. Man half sich, indem man ein Casting für eine Realityshow inszenierte und die Models zu sich nachhause einlud. Die vier ambitionierten Nachwuchsgirls mussten sich daraufhin das Geschwafel des „Produzenten“ Carlos anhören und Fotos mit den „Investoren“ und dem „Anwalt“ aus New York machen. Sogar getanzt haben sie und gesungen, und sich bis auf den Bikini ausgezogen. Nach drei Stunden zogen sie davon, in der Hoffnung auf einen Exklusivvertrag mit dem Produzenten aus L.A.

Auch dass Carlos Access zu allen Partys hatte, war wohl ein wenig übertrieben. So fuhren wir eines Abends mit dem schnupfenden Carlos im Schlepptau zu Shakiras Haus, wo die Party des Sommers stattfinden sollte. Irgendwo im Landesinneren, nach bestimmt hundertmal fragen und zwei Stunden rumkurven, erreichten wir die totenstille Villa. Carlos stieg aus, verschwand Richtung Haus, kam zurück, und meinte entschuldigend, Shakira höchstpersönlich hätte ihm gesagt, dass die Party erst morgen sei. Schliesslich seien sie ja Freunde. Und Gisele war in dieser Nacht auch nicht auffindbar, oder sie hatte besseres zu tun, wahrscheinlich mit Fabian, dem fetten Partystecher aus Buenos Aires. Wir beendeten unsere Nacht mit Whiskey und Rock in der Jack Daniels Bar, auf die wenigstens Verlass war. Tags darauf erfuhren wir, dass Shakira sehr wohl ihre Party veranstaltet hatte, nur leider in New York.

*Aufgrund der Tatsache, dass die zwei Jungs so stolz auf sich selbst sind, wurden die Namen nicht geändert.

Neuen Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*


*

Ähnliche Artikel

Kopenhagen

Short Trip: Kopenhagen

Die Dänen habens drauf: Nicht nur wegen dem Smørrebrød ist die Hauptstadt Kopenhagen eine Reise wert. Wo   
Advanced Style

Advanced Style

Fotograf Ari Seth Cohen portraitiert seit vier Jahren ältere, stilvoll gekleidete Damen und Herren aus Big